Ingolf Bender spricht in seinem „Praxishandbuch Pferdehaltung“ von den vielfältigen Bewegungsleistungen, die den Pferden abverlangt würden. Egal, ob dies nun unter dem Sattel oder im Gespann geschehe, die kraftvolle Eleganz und Ästhetik von galoppierenden Pferden rufe Bewunderung hervor. Dabei dürfe man nicht vergessen, welche biologischen Abläufe im Pferdeorganismus dafür nötig seien. Der Autor verweist auf die funktionellen Abläufe, grundlegenden anatomischen Details und ursächlichen Haltungszusammenhänge. Oft würden sich Pferdehalter erst dafür interessieren, wenn die Eleganz dem Husten weiche. Der Tierarzt könne dann in fortgeschrittenen Stadien Lungenemphysem, chronische Bronchitis oder Stauballergie diagnostizieren.

Die hohen Ausdauerbewegungsleistungen der Pferde basierten auf einem maximal leistungsfähigen Atmungsapparat. Der müsse an frische Luft gewöhnt sein und entsprechend trainiert werden. Bezogen auf den Ruhewert könnten die Lungen die Sauerstoffaufnahme um das 30-fache steigern. Die Steigerungsmöglichkeit bei Hunden betrage das 15-fache. Beispiele hierfür seien Deutsch-Kurzhaar-Jagdhunde, Greyhounds und andere Windhunde. Ein trainierter Mensch könne die Sauerstoffaufnahme um das 20-fache steigern. Bei stärkstem Galopp erhöhe sich bei einem mittelgroßen Pferd das ausgetauschte Luftvolumen um das 5-fache. Mit jedem Atemzug nehme es dann 25 Liter auf. Dabei steige die Atemfrequenz um das 8- bis 10-fache der Ruhewerte an. Das Pferd atme in dieser Situation 10- bis 16-mal pro Minute, wobei jeder Galoppsprung mit einem Atemzug verbunden sei.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erläutert Ingolf Bender die Rolle der Milz. Je stärker die Belastungen für das Pferd würden, um so größere Blutmengen könne sie in die Organe pumpen. Damit passe sie die Sauerstoffversorgung der aktuellen Leistung an. Atemwegserkrankungen ließen Pferde auf Dauer dahinsiechen. Sie entstünden durch ammoniakbelastete und staubbeladene Stallluft. Als weitere Ursache sei die Anämie anführen, die sich durch eine geringe Zahl von roten Blutkörperchen bemerkbar mache. Diese sorgten für den notwendigen Sauerstofftransport. Auch traditionelle, noch nicht modernisierte Reitställe müssten Haltungskompromisse eingehen. Eine nicht artgemäße Haltung führe zu einer erkrankten Lunge. Der Autor bezieht sich dabei auf die Sezierung eines solchen Organs, wie sie in der Anatomie von Tierärztlichen Hochschulen vorgenommen würde.

Treten Lungenprobleme auf, gehe man als Laie oft von einer undifferenzierten „Erkältung“ aus. Sie solle dann angeblich bei einem geschwächtem Abwehrsystem durch eine Unterkühlung ausgelöst worden sein. Man dürfe nicht vergessen, dass Erkältungen vor allem die Domäne des Menschen seien. Dagegen basiere das Anpassungsvermögen des Pferdes auf seiner arttypischen Bewegungsfunktion. Es verfüge über eine beeindruckende Hitze-Kälte-Toleranz. Als Hauptursache des Hustens stelle eine Erkältung eher die Ausnahme dar. Die geringe Erkältungstendenz und die Anpassungsfähigkeit seien auf die Funktion und den histologischen Aufbau der Pferdehaut zurück zu führen.

Betrachte man die Haut genauer, so weise sie etwa ein Drittel der Körperblutmenge, zahllose Nervenpunkte und ca. 100 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter auf. Als wichtiger Regulator für den Wärmehaushalt des Pferdes gelte somit das Schweißbildungsvermögen. Für die nötige Verdunstungskälte sorge bei vorhandener frischer Luft die schweißfeuchte Fellbehaarung. Allerdings träfe dies nur bei nicht geschorenen Pferden zu. Auch sei frische Luft im geschlossenen Stall und in vielen Reithallen eher selten. Bei starken Anstrengungen fördere sie den Abbau des Wärmeanstiegs in der Haut. Ein stärkerer Blutandrang in der Haut und eine hohe Schweißbildungsfähigkeit stünden für Sensibilität und Anpassungsfähigkeit. Dies ließe sich vor allem bei lebhaften, gehfreudigen, auf hohe Bewegungsleistungen gezogenen Rassen beobachten.

Ingolf Bender kommt zu dem Schluss, dass diese Zusammenhänge nicht immer richtig interpretiert würden. Dadurch könne auf Dauer eine unangebrachte und schädigende „Verhätschelung“ entstehen. In der Folge käme es zu negativen Auswirkungen und entsprechenden Gefahren. Ein mangelhaftes Training des naturgegebenen Anpassungsvermögens sorge für ein geschwächtes Abwehrsystem.


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