MicroMineral
Erst einmal muss man etwas ausholen, um zu erklären warum es schwierig ist, den Gehalt der einzelnen Mineralstoffe und Spurenelemente (sowie Vitamine und Provitamine) im cdVet MicroMineral mit denen in "normalem" Mineralfutter zu vergleichen.
In letzterem werden diese in synthetischer bzw. anorganisch gebundener Form (oder in der als "organisch-gebunden" bezeichneten chelatierten Form, d.h. an Hefen gebunden) in Trägerstoffe die den Geschmack für das Pferd "erträglich" oder sogar lecker machen
Sprich das Durchschnittspferd frisst was man ihm davon vorsetzt (gibt da ja eben auch die Spezialisten, die fast jedes dieser Futter nach relativ kurzer Zeit verweigern aber dazu später).
Aber bei diesen Mineralfuttern wird eben all dies als "Zusatzstoffe pro kg" in genauen mg und IE angegeben, dabei handelt es sich IMMER um eben jene meist von der Industrie hergestellten Stoffe.....
Das Problem bei synthetischen Vitaminen und anorganisch-gebundenen Mineralien und Spurenelementen ist, dass diese in einer Form vorliegen. die zum Einen schlecht aufgenommen und zum Anderen aber auch wieder schlecht ausgeschieden werden kann.
Damit der Organismus diese Stoffe für sich nutzen kann muss er sie erst so umbauen, dass sie in der von den Zellen benötigten Form vorliegen.
Dies geschieht vorzugsweise in der Leber, welche beim Pferd, als kontinuierlich fressendem Pflanzenfresser, im Bezug auf diese Umbau- und Entgiftungsfunktionen (denn genau darum handelt es sich hierbei) sowieso nicht sehr leistungsfähig ist.
Von den zugesetzten Vitaminen etc. können so letztendlich dann vielleicht ein Drittel von der Zelle verwertet werden.
Daher wird eben ein mehrfaches von dem was pferd eigentlich wirklich brauchen würde zugesetzt.
Das verstärkt wiederum das zweite Problem: nämlich dass auch ein „Umbau“ dieser Stoffe um sie ausscheiden zu können nötig ist.
Dies wiederum benötigt wieder Kapazitäten der Leber, die eben für andere Stoff-wechselfunktionen wie auch den Umbau zu verwertbaren Derivaten nötig sind…ein Teufelskreis eben……
Wenn die Entgiftungsfunktionen der Leber überlastet sind kommt es dann zur Übernahme dieser durch andere Organe…beim Pferd eben bevorzugt Haut und Lunge (Hund wiederum Haut und Darm).
So viel zu den synthetischen Vitaminen und anorganisch gebundenen Mineralstoffen und Spurenelementen.
Bei den oft hoch gelobten so genannten „organisch-gebundenen“ sprich chelatierten Mineralstoffen/Spurenelementen liegt die Sache etwas anders.
Hier ist die Aufnahme nicht so das Problem, wohl aber die Ausscheidung. Denn hier MUSS sich der Organismus mit den zugeführten Stoffen auseinandersetzen, ob er will oder nicht.
Eine Überversorgung mit all ihren Folgen ist hier leicht möglich (besonders wenn die in der Grundration vorhandenen Anteile nicht berücksichtigt werden).
Außerdem müssen auch diese Formen wieder in der Leber umgebaut werden, um überhaupt ausgeschieden werden zu können, was diese natürlich auch wieder belastet…Folgen siehe oben…
Nun kommen wir zu den echten „natürlichen“, weil so in der Natur vorkommenden Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.
Mit diesen kann der Organismus, der sich ja an genau diese angepasst entwickelt hat, ganz anders umgehen als mit den erst in den letzten 50 Jahren vom Menschen hergestellten Ersatzstoffen.
Das heißt, dass diese in ihrer ursprünglichen Form vorliegenden Verbindungen, sowohl direkt von der Zelle aufgenommen und verwertet, sowie auch bei nicht benötigen leicht wieder ausgeschieden werden können.
Der Stoffwechsel kann mit diesen echten organischen Verbindungen und natürlichen Vitaminen viel effizienter und ohne Überbeanspruchung der Entgiftungsorgane wie Leber und Niere umgehen.
Daher wird auch um einiges weniger in mg oder IE ausgedrückt - weniger von diesen natürlichen Stoffen benötigt - als in den auf die synthetischen Verbindungen ausgerichteten Fütterungsempfehlungen.
Ein sehr gutes Beispiel - um sich diese ganzen Zusammenhänge vor Augen zu führen - ist das mit einer sehr geringen therapeutischen Breite (sprich der Abstand zwischen Bedarf und Toxizität ist sehr gering) ausgestatteten Selen.
Die meisten Binnenlandgebiete in Deutschland sind sogenannte Selenmangelgebiete. Im Boden ist nicht genug natürliches Selen vorhanden um den Bedarf zu decken.
Nun ist es ja teilweise schon fast Mode (gewesen?) alles Mögliche auf eben diesen Selenmangel zu schieben. Als Therapie werden dann eben Selenpräparate mit meist anorganisch gebundenem Selen gegeben.
Durch die enge Grenze zwischen echtem Bedarf und beginnender Vergiftung und den oben beschriebenen nötigen Stoffwechselvorgängen um diese Art von Spurenelement in „verwendbare“ Form zu bekommen, kommt es hier häufig zu dem Phänomen, dass viele Pferde dann GLEICHZEITIG unter Selenmangel UND Selenvergiftung leiden!
Gerade da diese Präparate ja oft eben Pferden gegeben werden die eh schon Stoffwechselprobleme mit häufig eingeschränkter Leberfunktion haben, kann eben nicht genug in verwertbare Form umgebaut werden, bevor die toxischen Effekte eintreten.
Und wenn man jetzt aber weiter denkt und sich überlegt wo und in welcher Form Selen in der Natur vorkommt? In Gebieten wo es eben keinen Mangel hieran gibt, wie eben zum Beispiel am Meer.
Wenn die natürliche Form des Selen die gleichen Probleme wie das Synthetische machen würde, müssten ja alle Tiere und Menschen die in diesen Regionen leben und lebten unter Vergiftungserscheinungen leiden, was ja nicht der Fall ist. Weil das natürliche, in marinen Gebieten vorkommende Selen eben jenes ist, an das sich das Leben auf diesem Planeten angepasst hat und nicht jenes was als Ersatz billig hergestellt und teuer verkauft wird.
Soviel zur Erklärung warum man die genau gemessenen Gehalte an diesen Mikronährstoffen in natürlichen Produkten eben nicht mit denen in heutigen Mineral- und Zusatzfuttermitteln vergleichen kann.
|